Chronik

Wir möchten eine Trigger Warnung vorwegstellen. Die Ereignisse und das dazugehörige Material thematisieren sexuelle Gewalt und enthalten zum Teil genaue Schilderungen der Übergriffe. Bitte überlege daher, bevor du weiterliest, ob du dich gerade dafür bereit fühlst. Vielleicht kannst du es mit anderen, vertrauten Menschen gemeinsam lesen oder dich danach mit Menschen austauschen.

Im Folgenden dokumentieren wir die Ereignisse seit dem August 2020 um das Bekanntwerden sexueller Übergriffe in der linken Szene in Jena und Umland als Chronik.

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2020

August

25.08. Veröffentlichtung des Jenaer Outcalls via Instagram.
27./31.08. Vorabstatement eines engeren Freundeskreises vom Jenaer Täter mit Solidaritätsbekundung, dem Angebot, für die U-Gruppe ansprechbar zu sein, und der Mitteilung, dass sie sich um externe Hilfe für den Aufarbeitungsprozess bemühen.

September

02.09. FLINT*-Vernetzung Telegram-Gruppe gegründet.
07.09. Ankündigung der Demo gegen patriarchale Gewalt via Mail-Verteiler. Erst darin wird die betroffene Person direkt angesprochen, ohne dass zuvor mit ihr Kontakt aufgenommen wurde.
09.09. Statement der „AGÜ30“ in Jena mit der Aufforderung, „nicht durch eilige Klärungsbedürfnisse Druck auf die Betroffene auszuüben“ und „auf das Verbreiten von Gerüchten zu verzichten“, sondern sich per Mail zu melden, wenn man Ansprechpartner_innen braucht (ag-ue30@systemli.org).
13.09. Einladung zum F*Antifa Tresen Jena zum Thema sexuelle Gewalt ohne direkten Bezug auf den Outcall.
13.09. Veröffentlichung des Saalfelder Outcalls via Instagram, in dem mehrere Übergriffe von unterschiedlichen Tätern thematisiert wurden.
27.09. Demo „Gegen patriarchale Gewalt“ in Jena und Aufruf von der Demo-Orga-Gruppe an die cis-Männer, parallel ein Reflexionstreffen zu veranstalten. An diesem Treffen nehmen ca. 30 Männer teil. (In der Telegramgruppe, die sich zur Koordination gründete, sind zu diesem Zeitpunkt ca. 100 Menschen.)
27.09. Die Gruppe Dissens aus Erfurt nimmt bei Twitter mit einem Bonjour Tristesse-Text Bezug auf die Demo in Jena.
29.09. Stellungsnahme der Falkenfrauen zur „Antipatriarchalen Männergruppe“ in deren Telegram-Gruppe.

Oktober

08.10. Selbstkritische Stellungnahme von Dissens zum eigenen Auftreten bezüglich der Demo am 27.09.
10.10. Update des Gothaer Outcalls, in dem Täterschutz und die ausbleibende Aufarbeitung angeprangert werden.
12.10. Erstes Diskussionstreffen der FLINT*-Vernetzung über den von Dissens geposteten Bonjour Tristesse-Text.
12.10. Die Falken Jena kündigen in Kooperation mit der Antipatriarchalen Männergruppe eine Veranstaltungsreihe zum Thema “Sexuelle Gewalt und Männlichkeit” an, ohne dabei direkt auf die Outcalls Bezug zu nehmen. Es finden zwei Vorträge (1,2) statt.
14.10. Soli-Erklärung des veto Erfurt unter Bezugnahme auf alle veröffentlichten Outcalls. Den Tätern wird ein Hausverbot ausgesprochen.
18.10. Zweites offenes Treffen der „Antipatriarchalen Männergruppe“.
20.10. Soli-Erklärung des Haskala zum Saalfelder Outcall. Dem betreffenden Täter wurde gekündigt.
27.10. Soli-Erklärung aus Bad Blankenburg zum Saalfelder Outcall.

November

06.11. MDR Bericht zu sexuellen Übergriffen im Haskala in Saalfeld. Daraus geht hervor, dass die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt.
06.-08.11. Antifaschistischer Ratschlag findet mit einem Auftaktpodium zum Thema „Antifaschismus ohne Feminismus?“ statt.
10.11. Soli-Erklärung von „einige Linke aus Jena“ zum Saalfelder Outcall via Mail-Verteiler und Indymedia. Der Jenaer Outcall findet keine Beachtung.
23.11. Statement vom Klubhaus Saalfeld zu den sexuellen Übergriffen mit Formulierungen, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Betroffenen und mangelnde Verantwortungsübernahme aufweisen. Auf der Facebookseite wird das Statement nicht gepostet.

Dezember

01.12. Update des Saalfelder Outcalls mit Kritik am bisherigen Umgang und erneuter Aufforderung zur Aufarbeitung, zur Distanzierung zu den Tätern sowie zur Solidarisierung mit den Betroffenen.
01.12. Szeneöffentliche Stellungnahme auf Telegram der U-Gruppe der betroffenen Person aus Jena mit Forderungen zur unbedingten Unterstützung Betroffener und Unterstützender, zur Erschaffung von FLINT-Räumen, zur Umstrukturierung von Gruppen innerhalb der Szene und zu aktiver, selbstkritischer Auseinandersetzung in Arbeitskreisen zu Kritischer Männlichkeit und sexualisierter Gewalt.
02.12. Auf Telegram veröffentlichte Kritik an einem „Gesprächskreis“, der aus der Initiative der „Antipatriarchalen Männergruppe“ hervorging. An diesem Gesprächskreis nahm ein Täter eines weiteren nicht-öffentlichen Falls teil. Von den Verfasser*innen kritisiert werden auf Grundlage der Protokolle unter anderem personelle Überschneidungen mit dem AK Orga der „Antipatriarchalen Männergruppe“, die Entmündigung der Betroffenen sowie Täterschutzverhalten. Sie fordern die Auflösung des „Gesprächskreises“.
05.12. Der AK Orga reagiert mit einem Statement auf die Kritik via Telegram.
17.12. Statement der Falken Jena zur „Antipatriarchalen Männergruppe“ via Telegram.
18.12. Stellungnahme einer Person aus dem ehemaligen Freundeskreis des Jenaer Täters in der Telegram-Gruppe der „Antipatriachalen Männergruppe“. Erwähnung finden dabei unter anderem eine zur Aufarbeitung gegründete „Objektiv-Gruppe“ (unklar bleibt, was das heißt), der Wille zur unbedingten und langfristigen Aufarbeitung sowie die Anerkennung der Komplexität der sozialen Situation.
31.12. Auswertung des Umgangs mit Fällen sexueller Gewalt in Thüringen, Soli-Erklärung und Forderung des Ausschlusses der Täter durch die Gruppe Dissens auf Twitter.
Das Anarcho Infoblatt Jena erscheint mit mehreren Artikeln zu sexueller Gewalt in der Szene. Einer einleitenden Solidarisierung mit Betroffenen aus Jena und Saalfeld folgen diverse Perspektiven von Genoss*innen zum direkten Erleben der Demo gegen patriarchale Gewalt (27.09.) sowie zum szeneinternen Umgang mit den Outcalls.

2021

Januar

03.01. In den News der Lirabelle #24 wird auf den Saalfelder Outcall hingewiesen. Der Rückschau angehängt ist eine kurze Soli-Erklärung der Redaktion mit den Betroffenen aus Gotha, Jena und Saalfeld. Dabei wird außerdem der bisher mangelhafte Aufarbeitungsprozess angeprangert.
11.01. Update des Jenaer Outcalls auf Instagram.
17.01. Statement zur Löschung des Outcalls aus Saalfeld auf Instagram.

Februar

17.02. Stellungnahme und Auflösungserklärung der „Antipatriarchalen Männergruppe“.

März

03.03. Soli-Erklärung vom F*Antifa Tresen Jena zu den Outcalls in Jena und Saalfeld via Mail-Verteiler.
08.03. Mehrere Kundgebungen vom Frauen*streik in Jena ohne direkte Thematisierung sexueller Gewalt.
08.03. Kundgebung in Saalfeld unter dem Motto „Silence is not an option – Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt“ mit ca. 100 Teilnehmenden.
20.03. Graffiti-Jam am Lommerweg in Jena. Eine Crew aus dem Saalfelder Täter-Umfeld erscheint trotz Ausladung. Es folgen u.a. eine feministische Intervention (Markierung des entsprechenden Bildes) sowie eine Reihe anti-feministischer Graffitis.

April

02.04. Diese Chronik erscheint mit einem Kommentar.
28.04. Soli-Erklärung der GG/BO-Soligruppe Jena mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt und sexistischen Verhaltens in der linken Szene Thüringens. Darin konkretisieren sie u.a., was diese Solidarisierung für sie praktisch bedeutet, und formulieren Forderungen an die Täter aus Saalfeld.

Mai

07.05. Soli-Erklärung einer Bezugsgruppe aus Jena über den Mailverteiler mit konkreten Reflexionsvorschlägen.
08.05. Soli-Erklärung der AG Gegen Gewalt an Frauen* auf der Facebook-Seite vom Frauenstreik Jena.
10.05. Lirabelle-Artikel „Silence is an option – Thüringer linksradikale Szene wartet in großen Teilen ab“ von der AGÜ30.
25.05. Die GG/BO-Soligruppe Jena veröffentlicht eine „Ergänzung“ zu ihrem ursprünglichen Statement vom 28.04.
Daraufhin gibt es eine Reihe kritischer Reaktionen von uns, „feminismusundpushkicks“ und einer Bezugsgruppe aus Jena.
31.05. Soli-Erklärung des BiKo Erfurt.

Juni

03.06. Erklärung des Vorbereitungsplenums zum antifaschistischen und antirassistischen Ratschlag.
27.06. Reaktion der GGBO-Soligruppe auf die Kritik an der „Ergänzung“ ihres Statements.

Juli

04.07. Update von der AG Stand With You aus Saalfeld ein dreiviertel Jahr nach Erscheinen des Outcalls. (Teil 1, Teil 2)
09.07. Soli-Erklärung von Antifaschisten Gruppen Südthüringen (AGST), Dissens und Antifaschistische Linke Eisenach.
09.07. Soli-Erklärung und Soli-Tweet vom Bündnis Alles muss man selber machen.
12.07. Stellungsnahme vom Infoladen Jena.
15.07. Auftakt unserer Vortragsreihe zu langfristigen Umgangsformen mit sexualisierter Gewalt.
23.07. Soli-Erklärung von Solidarität statt Querdenken.

August

03.08. Offener Brief von ehemaligen Pekari-Mitgliedern zur internen Auseinandersetzung mit Übergriffen und Täterschutz in der Gruppe. Darin wird u.a. vom Bündnis des Jugendkongresses gefordert, die Zusammenarbeit mit Pekari zu beenden. Vorhergegangen waren eine Mail an Pekari Ende Juni sowie die Antwort von Pekari, die dem Brief angehängt waren.
06.08. Pekari veröffentlicht einen Zwischenstand zur Aufarbeitung von Vorfällen sexueller und sexualisiserter Gewalt.
15.08. Veröffentlichung eines Erfahrungsbericht über sexuelle Gewalt in der linken Szene Erfurts bei Indymedia.
19.08. Soli-Statement zum Outcall aus dem AJZ-Umfeld von Alles muss man selber machen.
22.08. Statement des Orga-Bündnisses vom Jugenkongress 2021 zur kritisierten Zusammenarbeit mit Pekari, in dem das Ende der Kooperation mit Pekari erklärt wird.

September

08.09. Statement des AJZ Erfurt zur Veröffentlichung eines Erfahrungsberichts über sexuelle Gewalt. Dem Täter wird darin ein Hausverbot verbunden mit Forderungen nach Aufarbeitung ausgesprochen.
16.09. Soli-Erklärung des veto zum Outcall vom 15.08.

Oktober

03.10. Update zum Erfahrungsbericht über sexuelle Gewalt in Erfurt vom 15.08.2021
19.10. Soli-Erklärung des AK40 Suhl mit der Betroffenen aus Gotha.

November

05./06.11. Der 30. Antifaschistische und antirassistische Ratschlag findet statt mit einem Auftaktpodium zum Thema „Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in der linken Szene“ und einem Workshop zum Thema „Sexismus, Mackertum und sexualisierte Gewalt in der eigenen Szene“.
Update vom Betroffenensupport des veto zum „Kamera Spanner“ in Erfurt. Daraus geht hervor, dass der Täter sich im Raum Halle, Leipzig und Jena bewegt, dort online-Dating betreibt und keine ernsthafte selbstkritische Auseinandersetzung mit seinem Verhalten stattgefunden hat.

Dezember

Artikel der AG-Ü30 in der Lirabelle #26
13.12. Transparenzsschreiben des F*Streik Jena zum internen
Umgang mit Betroffenheiten von sexualisierter Gewalt.
18.12. Nachtrag zur Aufarbeitung von täterschützendem Verhalten & Auflösungserklärung der Gruppe Pekari.

2022

März

08.03. Demo in Jena, organisiert von einem neuen 8.-März-Bündnis, mit inhaltlichem Fokus auf Sorgearbeit, aber einzelnen Beiträgen, die sexualisierte Gewalt thematisieren, u.a. vom Antisexistischen Support Erfurt (ASE).

April

Eine weitere Veranstaltungsreihe, organisiert vom Prozessplenum zum langfristigen Umgang mit sexueller/sexualisierter Gewalt, findet statt.
26.04. Mail via Mail-Verteiler informiert auf Wunsch von Betroffenen hin über das Scheitern eines community accountability Prozesses mit Clemens L. Darin wird eine „umfangreichere Stellungsnahme“ versprochen, die folgen soll.

August

02./09.08. Nachdem das Prozessplenum zu langfristigen Umgangsformen mit sexueller/sexualisierter Gewalt kritisiert wurde, queere Perspektiven nicht angemessen einzubeziehen, war der zweiteilige Workshop „Mitgemeint? Sexualisierte Gewalt an queeren Personen“ Teil der Auseinandersetzung des Plenums damit.
22.08. In der Lirabelle #27 erscheinen zwei Artikel im Kontext von sexualisierter Gewalt: Überlegungen zum Umgang mit Outcalls in Jena und Leipzig sowie die Selbstvorstellung des Antisexistischen Support Erfurt (ASE).
24.08. Die JG Stadtmitte (Jena) veröffentlicht ein Statement zur Solidarisierung mit den Betroffenen sexueller und sexualisierter Gewalt in der linken Szene Thüringens und reflektiert dabei kritisch den eigenen Auseinandersetzungsprozess und die späte öffentliche Positionierung.

September

07.09. Statement ehemaliger Pekaris, die sich in der neu gegründeten URL (Undogmatische radikale Linke) organisieren. Sie thematisieren ihren zukünftigen Umgang mit sexualisierter Gewalt in der linken Szene. Außerdem signalisieren sie ihre Ansprechbarkeit für andere Gruppen, die sich „in ähnlichen Situationen“ befinden und denen ein Erfahrungsaustausch im Umgang mit sexualisierte Gewalt helfen würde.
09.09 Stellungnahme der Crew von Critical Crisis Concerts zu den Outcalls in Thüringen.

Oktober

07.-15.10 Die Alternativen Orientierungstage (ALOTA) in Jena finden erstmals mit einem Awareness-Team statt. Teil des Programms sind ein Workshop der Awareness-AG des Prozessplenums zum langfristigen Umgang mit sexueller/sexualisierter Gewalt in der linken Szene und ein Vortrag der CA Gruppe Jena.
09.10 Soli-Erklärung mit den Betroffenen der Thüringer Outcalls von den Tierbefreier*innen Jena. Sie geben zusätzlich die Gründung ihrer Ansprechgruppe bekannt.